„Der direkte Austausch war und ist unglaublich wertvoll. Unsere Vereine wissen, wo die Herausforderungen liegen – und können aufzeigen, wie Lösungsansätze und Verbesserungen aussehen können. Gleichzeitig sind auch wir als Verband gefragt, deren Umsetzbarkeit zu prüfen. Der Kongress liefert wichtige Impulse und macht deutlich, dass wir als SBFV verlässliche Unterstützung bieten können und müssen, damit gute Ideen auch im Vereinsalltag Wirkung entfalten."
Rückblick: SBFV-Jugendfußballkongress 2025
Über 150 Engagierte, 1 Ziel – die zukünftige Ausgestaltung des Jugendfußballs in Südbaden. Aus dem gesamten SBFV-Gebiet kamen daher am Sonntag beim erstmalig ausgetragenen SBFV-Jugendfußballkongress zahlreiche Vertreter:innen aus Vereinen und Verband zusammen, um sich über den Jugendfußball in all seinen Facetten auszutauschen. Mehr als ein Dutzend Workshops, ein tiefgehendes Expert:innengespräch und die Vorstellung der aktuellen DFB-Jugendstudie machten deutlich: Der enge und direkte Austausch von Verband und Vereinen ist in vielerlei Hinsicht der richte Weg. Kleine wirksame Anpassungen im Jugendfußball sollen in den folgenden Jahren pilotiert werden, wobei der Fußball im Kern unbedingt erhalten werden soll.
Im Europa-Park Stadion, wo sonst Profis des SC Freiburg um Punkte kämpfen, standen am vergangenen Sonntag ausnahmsweise Südbadens Nachwuchskicker:innen im Mittelpunkt. Über 100 engagierte Vereinsverantwortliche (Trainer:innen, Jugendleiter:innen und Spieler:innen) sowie rund 50 Vertreter:innen seitens des Verbandes hatten sich für den ersten SBFV-Jugendfußballkongress zusammengefunden. Die begrüßenden Worte übernahmen Verbandspräsident Dr. Reinhold Brandt, Verbandsjugendwart Armin Bader und Tobias Barth (Leiter Kinder- und Jugendfußball), die die Anwesenden auf die kommenden Stunden einstimmten.
Armin Bader, Verbandsjugendwart:

Zentrale Botschaft: „Lasst sie doch einfach kicken“
Direkt tief in die Materie stieg eine Expert:innenrunde mit reichlich Praxiserfahrung im Gepäck in den Austausch ein, bestehend aus:
- Thomas Staack (Autor „Der neue Kinderfußball“),
- Lena Lotzen (Team „Trainingsphilosophie Deutschland / Schulfußball“ und Assistenztrainerin U17 Juniorinnen-Nationalmannschaft)
- Daniel Schwaab (SC Freiburg, JFV Eintracht Elztal)
- Christine Dorer (Vorstand Badische Sportjugend)
Die ehemalige Nationalspielerin Lotzen spielte als kleines Mädchen zwar in einer Jungsmannschaft. Heute spricht sie sich jedoch zusätzlich zu diesem Weg auch unbedingt dafür aus, für Mädchen im Fußball eine eigene Entwicklungsumgebung (Mädchenteams) zu schaffen, um mehr Mädchen anzusprechen und diesen die Möglichkeiten der Entfaltung zu geben. Auch Staack plädierte für breitgefächerte Fußballangebote für alle Kinder. Sie schon früh für den Fußball zu begeistern und zu halten, könne die Kinder und Jugendlichen langfristig zu motivierten Vereinsverantwortlichen machen, die ihrerseits wiederum als Botschafter:innen dem Nachwuchs zur Seite stünden.
Zur Gewinnung von Trainingspersonal hatte Christine Dorer einen praxisnahen Tipp parat: Ehrenamtliche könnten zeitweise „Jobsharing“ betreiben, indem sie die Trainingstage und das Wochenende unter sich aufteilen. Das käme bei den Kindern und Eltern sehr gut an und erleichtere das Finden von Trainer:innen, da man nicht gleich mehrere Tage die Woche am Spielfeldrand sein müsse. Dorer hob in dem Atemzug auch die Bedeutung von Vorbildern in den Vereinen hervor: Es gelte nicht nur, das Feuer in den Kindern zu entfachen, sondern bei den Jugendlichen auch am Lodern zu halten.
Ein glühendes Beispiel hierfür: Daniel Schwaab, der nicht nur hauptamtlich das Amt des Verbindungstrainers beim SC Freiburg bekleidet, sondern auch als Sportvorstand den Jugendfußballverein Eintracht Elztal leitet. Schwaab weiß, wovon er spricht, beherbergt der JFV doch rund 400 Kinder und Jugendliche, denen dank eines neuen Bolzplatzes seit diesem Sommer ein zusätzliches Platzangebot zur Verfügung steht. Schwaab blickte im Gespräch auf seine eigene Fußballzeit im Kindheitsalter zurück und wie sehr er es gehasst habe, wenn der Trainer jede Situation gecoacht hat und dauernd „reingebrüllt“ wurde. Sein Appell daher: „Lasst die Kids doch einfach kicken - und coacht als Trainer oder Trainerin nicht jede Aktion im Training oder Spiel.“

Wissenschaftlicher Konsens: Wandelnde Bedürfnisse der Jugendlichen im Fokus
Untermauert wurden die verschiedenen Erfahrungen und Praxisperspektiven, die im Anliegen jedoch geeint waren, auch in wissenschaftlicher Hinsicht von Markus Dorrmann. Der Referent Jugendfußball beim Deutschen Fußball-Bund, stellte die Ergebnisse der aktuellen DFB-Jugendstudie vor und ging dabei auf Entwicklungen in Motivation, Belastung und Vereinsbindung ein. Eine zentrale Aussage: Am Ende muss es immer um die Zielgruppe Jugendliche und deren Bedürfnisse gehen, auch im Wandel der Zeit – und nicht um die Erwartungen der Erwachsenen. Vieles läuft schon gut, daher geht es nicht darum, den bestehenden Jugendfußball auf den Kopf zu stellen, sondern durch kleine Anpassungen, Veränderungen und Erweiterungen noch mehr Mädchen und Jungs auch im Jugendalter – und darüber hinaus – im Fußball zu halten.
Herausforderungen, aber auch viele Lösungen
Im Anschluss folgte das eigentliche Herzstück des Jugendfußballkongresses: Der umfassende Austausch der Vereinsverantwortlichen mit den Verbandsvertreter:innen – und auch hier waren die Expert:innen aus dem Podiumsgespräch in den Gruppen aktiv. Gemündet ist das Ganze in über ein Dutzend Workshops, verteilt auf Vor- und Nachmittag, die zentrale Fragen und Zukunftsthemen rund um den Jugendfußball abdeckten:
Gewinnung von Trainer:innen | Einteilung der Altersklassen / Biologisches (Relatives) Alter / Playing Down |
|---|---|
Förderung des Junior:innenfußballs | Ausbildungsentschädigungen |
Kooperation Schule und Verein | Jugendarbeit als Mittelpunkt der Vereinsarbeit |
Vereinskooperationen | Sichtung und Förderung in Zusammenarbeit mit SBFV und DFB / Austausch mit Stützpunkt-Trainer:innen |
Alternative Spielangebote / Offene Sportplätze | Vereinsinternes Fördertraining |
SG-Bildung vs. JFV: Wann sind Zusammenschlüsse sinnvoll, wann nicht? | Flexibler / zukunftsorientierter Spielbetrieb | Meldewesen |
Jugendschiedsrichter:innen |
Öffnet Video in OverlayViele Diskussionen drehten sich um den Wandel im Lebensumfeld von Kindern und Jugendlichen, den wachsenden Zeitdruck in Familien, aber auch um Chancen durch neue Angebotsformen, Kooperationen oder ein moderneres Verständnis von Vereinsentwicklung. Für den Verband geht es im nächsten Schritt jetzt darum, die Impulse aus den Workshops in Arbeitsgruppen aufzuarbeiten, bevor sie in Handlungsempfehlungen und Angeboten für die Vereine münden.
Vom Austausch zur gemeinsamen Umsetzung
Der SBFV sieht die Rückmeldungen und Gespräche beim Kongress als Triebfeder, die Verbands- und Vereinsarbeit ausgerichtet an den Bedürfnissen der Jugendlichen noch enger zu verknüpfen und die Vereinsvertreter:innen in den Entscheidungsprozessen dabei auf Augenhöhe mitzunehmen. Wie zentral dieser verbindende Charakter ist, unterstreicht auch der SBFV-Präsident.
Dr. Reinhold Brandt:

„Der Jugendfußball ist ein Entwicklungsraum und zugleich ein Versprechen an die nächste Generation. Entscheidend ist, dass Vereine, Schulen und Verbände partnerschaftlich zusammenwirken. So entsteht ein Umfeld, das jungen Menschen Orientierung, Freude und Chancen bietet – und unserem Sport langfristig Stabilität verleiht. Dieses Miteinander ist unser stärkstes Fundament.“
Wir blicken zurück und sagen ein großes Dankeschön an alle, die dieses ganz besondere Event auf die Beine gestellt und an dem lebhaften Austausch teilgenommen haben! Es war ein voller Erfolg und uns eine große Freude. Hier ein paar Impressionen, unter folgendem Link auch zum Download:

















